Evolution Climate Testbericht

23.10.2016 13:12 von Daniel



Evolution Climate Spielverpackung von NorthStar GamesEvolution ist ein Spiel, welches seit ca. 2 Jahren auf dem Markt ist und in Deutschland von Schmidt Spiele verlegt wurde. Entwickelt wurde das Spiel von NorthStar Games und auf der Spiel 2016 in Essen gab es die neue Version zu spielen. Kickstarter Unterstützer haben das Spiel in Deutschland bisher noch nicht erhalten, werden aber aktuell versandfertig gemacht und sollten in den nächsten Wochen bei den Unterstützern ankommen.

Einführung: Evolution Climate ist ein Nachfolger für Evolution. Eine Weiterentwicklung sozusagen. Eine Evolution. J Gespielt wird ab 12 Jahren, aber auch jüngere Kinder verstehen die Mechanik schnell, und 2-6 Spieler dürfen gegeneinander antreten. Spieldauer ist ca. 1 Stunde. Es wurden 2 Versionen gezeigt: eine Standalone Version und ein Set mit dem das Spiel Evolution erweitert werden kann, wenn man dies bereits besitzt. Gute Idee wie wir finden. Entwickelt von Dominic Crapuchettes, Dmitry Knorre und Sergey Machin. Die Artworks und Grafiken sind von Ben Goldman, Catherine Hamilton und Jacoby O'Connor. Großartig wie bereits in der „alten“ Version, toll gezeichnet und sehr atmosphärisch.

Regeln:

Dinosaurier Artwork Evolution ClimateDie Regeln von Evolution Climate sind nicht groß verändert worden und in 15 Minuten schnell erklärt. Ziel ist es am Ende des Spiels die meisten Punkte zu haben – ok, dass kennt man von einigen Spielen. Punkte erhält man während des Spiels durch verspeiste Nahrung, für die Größe und für die Eigenschaften eurer entwickelten Tierarten.

Jede Runde besteht aus 5 Phasen: 
1. Karten austeilen
2. Nahrungskarte abwerfen (diese verändert jetzt auch das Klima)
3. Karten spielen
4. Bedingungen festlegen (Nahrung und Klima)
5. Fütterung

Zu Beginn einer jeden Runde werden Karten an die Spieler verteilt.

Danach muss jeder Spieler eine Karte abgeben um den Nahrungsvorrat zu bestimmen. Es gibt auch Karten mit negativen Werten… Hiermit kann man die Mitspieler ganz gut ärgern, wenn man selbst nicht viel Nahrung braucht.

Während des Spiels verwendet ihr Eigenschaftskarten (Trait cards) auf verschiedene Weise. Man kann diese zu seiner Spezies hinzufügen und Ihr damit neue Eigenschaften zusprechen. Durch Karten abwerfen kann man eine neue Spezies entwickeln, sowie die Population oder Größe einer bereits vorhanden Tierart erhöhen.

Anschließend kommt die Fütterungsphase. Nacheinander wird entweder aus dem Wasserloch Futter für seine Spezies geholt oder man lässt seine Raubtiere auf andere Rassen los. Da kommt mir gerade dieser Spruch in den Sinn: Fressen oder gefressen werden. Vom wem ist das eigentlich? Ich glaub von Mutter Natur, oder?

Wüste Artwork Evolution ClimateClimate erweitert und ändert die Regeln nur geringfügig. Jedem Spieler werden 4 anstatt bisher 3 Eigenschaftskarten zu Beginn der Runde ausgespielt, sowie eine Eigenschaftskarte je lebendiger Tierart. Als weitere Neuerung kann jede Art jetzt maximal 4 Eigenschaften besitzen, bisher waren es hier nur 3. Und es gibt neue Eigenschaftskarten mit neuen Fähigkeiten für eure Tiere.

Nun… Climate… so heißt die neue Version und dies ist auch die größte Änderung im Spiel. Zieht die Jacken aus… es wird heiß. Oder kalt? Das Klima wechselt jedenfalls im Verlauf des Spiels und ihr müsst hierauf achten, denn die Klimaveränderungen haben einen Einfluss auf eure Spezies und hierauf müsst ihr vorbereitet sein.

Die Klimaleiste und das darauf dargestellte Klima beeinflusst jeden Spieler auf unterschiedliche Weise, abhängig davon, wie jeder seine Tierarten entwickelt hat. Hier spielen die Eigenschaftskarten Ihren Einfluss aus, die eure Spezies sehr schnell aussterben lassen können oder Ihnen das Überleben sichert. Jede der 9 Regionen auf der Klimaanzeige repräsentiert das aktuelle Klima von der Eiszeit bis zur Gluthitze. 6 davon reduzieren die Population eurer Arten wenn diese eine bestimme Körpergröße besitzen. Die Extreme auf der Klimaleiste reduzieren diese ungeachtet der Körpergröße. Hitze reduziert die Population von großen Tierarten, Kälte die der kleineren Tiere. Das erschließt sich wahrscheinlich von selbst. Wer groß und schwer ist und viel Körperfett hat, ist gegen kalte Temperaturen besser geschützt.

Spezies Aufbau während des Spiels

Das Klima beeinflusst aber nicht nur die Tiere selbst, sondern hat auch Einfluss auf die Nahrung die am Wasserloch gefunden werden kann, bevor eure Arten dort auf Nahrungssuche gehen können. Ist das Klima wärmer, gibt es ausreichend Pflanzen, aber bei kalten Temperaturen sieht es damit sehr schlecht und führt gelegentlich dazu, dass es überhaupt nichts mehr wächst. Dies wird zum Verhungern und Aussterben einiger Arten führen. Aber nicht nur die Pflanzenfresse beeinflusst dies. Auch die Fleischfresser, deren Nahrungsgrundlage die Pflanzenfresser sind, leiden an diesen klimatischen Veränderungen.

Evolution Climate Spielbrett mit Klimaleiste

Ein Mechanismus der so einfach wie auch genial ist und sich so nahtlos in das Spiel einfügt, als wäre er schon immer da gewesen.

Die Entscheidung darüber, ob das Klima wärmer oder kälter wird, findet in jeder Runde nach dem spielen der Karten statt. Jeder Spieler muss vorher verdeckt eine Karte ablegen. Diese Karten bestimmen den Nahrungsvorrat. Das war bisher auch schon so. Nun gibt es Karten die ein Sonnen- oder Schneeflockensymbol tragen. Mehr Sonnen und es wird eine Stufe wärmer, mehr Schneeflocken und die Temperatur sinkt. Zu guter Letzt gibt es noch Klimaevents. Diese werden ausgelöst, wenn die jeweilige Klimastufe des Events erreicht ist, der Effekt der Karte wird abgehandelt. Es soll nicht zu viel verraten werden, aber es sind einige einschneidende Ereignisse dabei die sehr überraschend sind. 

Der Rest des Spiels läuft in altbekannter Weise fort. Die Spieler spielen reihum und versuchen Ihre Spezies fressen zu lassen bis alle satt sind oder es keine Nahrung mehr gibt. Woraufhin die Population der Art sinkt. Nahrung die gefressen wurde wird in den Beutel gelegt und gibt am Ende des Spiels Siegpunkte.

Das Spielende wird eingeleitet wenn das Deck der Eigenschaftskarten aufgebraucht wurde.

 

Fazit:

Wenn Ihr bisher Evolution noch nicht kennt und gespielt habt, habt ihr bereits ein wirklich schönes Spiel verpasst. Das schöne ist, es gibt nicht die eine Strategie die immer zu Ziel führt. Der Sieg führt nur über eine ständige und wachsame Kontrolle der generischen Arten, den cleveren Einsatz der Fähigkeiten und auch dem Mut eine Art aussterben zu lassen, wenn man keine Überlebenschancen mehr sieht.    

Die Erweiterung der Spielmechanik um das Thema Klima passt wie die Faust aufs Auge. Es ist eine wahrhaft gelungene und stimmige Ergänzung die sich ins Spiel einfügt ohne den grundlegenden Spielfluss zu zerstören. Das Klima kann in jeder Runde um bis zu 2 Stufen in die eine oder andere Richtung sich verändern. Durch die Tatsache, dass man hierauf in der Nahrungs-Nachschubphase einen gewissen Einfluss nehmen kann, macht es das Spiel nicht chaotischer. Es fügt eine weiter Strategiekomponente hinzu.

Es verändert die Spielweise wie man seine Arten aufbaut. Wenn man glaubt es wird kälter werden, weil die anderen Spieler es vermutlich in diese Richtung beeinflussen könnten, man selbst jedoch relativ kleine Arten hat, sollte man nicht die Population in seiner Runde erhöhen. Dies wäre ein verlorener Spielzug.

Wir können das Spiel wärmstens empfehlen. Das Thema ist zeitgemäß und auch für Kinder ein tolles Instrument um einige Zusammenhänge in der Natur zu verdeutlichen. Die Grafiken sind wirklich schön und der Startspielermarker ist umwerfend. Das Spiel ist schnell erklärt und ist als Familienspiel absolut geeignet. Die Spielzeit ist nicht zu lang um Gelegenheitsspieler abzuschrecken oder Kindern die Lust verlieren zu lassen.
Einziger Kritikpunkt, wenn man so will, ist das man das Spiel öfter spielen muss. Erst dann ist man in der Lage passende Spezies zu entwickeln, den Gegner im Auge zu behalten und das Klima für die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Bisher ist leider noch keine deutsche Version in Sicht. Ob Schmidt Spiele hier wieder einsteigen wird, hat man uns bei NorthStar Games nicht verraten. Wir sind gespannt. Und wer sagt, dass man mit Spielen nicht auch sein Englisch aufbessern kann?